Wie stärke ich die bindung zu meinem Hund?

Aktualisiert: 12. Juni 2019

Eine tiefe Bindung zum Hund zu haben ist für viele Hundehalter ein großer Wunsch. Tatsächlich stelle ich auch immer wieder fest, dass Kunden auf mich zukommen mit den Worten: "Ich habe keine Bindung zu meinem Hund", hat man mir gesagt.


Tatsächlich wird sicher zu oft "Gehorsam" oder Erziehungsstand mit einer mangelnden Bindung verwechselt. Ein Hund, der auf den Rückruf nicht reagiert, an Besuchern hochspringt etc., erweckt wohl den Eindruck, er hätte keine Bindung zu seinem Menschen, denn sonst würde er das ja nicht tun. Aber das stimmt so nicht!


was ist denn Bindung überhaupt?


Das ist wirklich eine sehr gute Frage! Diese Frage kann man 100 Hundehaltern stellen und man wird 100 verschiedene Antworten bekommen. Es ist reine Definitionssache, weshalb ich in diesem Blog nur meine ganz persönliche Meinung dazu vertrete. Bei Wikipedia wird die Bindung folgendermaßen definiert "Bindung bezeichnet in der Kynologie eine besondere soziale Beziehung zwischen Hund und Mensch. Sie ist zum einen Folge einer Sozialisation mit Menschen, zum anderen genetisch bedingt und wird als mögliche evolutionäre Anpassung an das Leben in Menschen-Gruppen interpretiert. Die Bindung des Hundes an Menschen tritt insbesondere dann auffällig in Erscheinung, wenn das Tier in Stress-Situationen gerät. Vor die Wahl gestellt, bevorzugen es Hunde, sich Menschen anzuschließen.[1] Zu anderen Hunden bauen sie keine Bindungsbeziehungen auf." ( Bindung zum Hund, https://de.wikipedia.org/wiki/Bindung_(Hund), 23. September 2018 )

Genau so sehe ich das auch, gerade in Situationen die für den Hund stressig sind, oder er Angst hat und dann die Nähe seines Menschen sucht, bezeichnet für mich eine stabile Bindung. Dazu gehört für mich nicht die Reaktion auf einen, für den Hund extremen Auslöser, wie z.B. ein lautes Knallgeräusch etc.. Hier wird der Hund sicher erst einmal seinem Fluchtinstinkt unterliegen oder im extremen Fall sogar panisch werden.

Ich spreche also vom normalen Alltag, z.B. einer Hundebegegnung im Freilauf. Ihr geht auf das andere Mensch/Hund Team zu und euer Hund signalisiert, dass er den anderen gruselig findet. Es könnte sein, dass der andere Hund aus der Entfernung fixiert oder sehr hibbelig ist. Hier könnte man klar sehen, ob sich euer Hund Hilfe von euch erbittet und weiß, dass Ihr ihm Sicherheit geben könnt.


Sicherheit geben - das haben wir oft schon im Welpenalter versaut!


Das Problem liegt leider auf der Hand, wie kann ich denn meinem Hund klar machen, dass er sich immer auf mich verlassen kann? Dass ich ihn aus unangenehmen Situationen "rette"?

Das müsste ab dem ersten Tag passieren, an dem der Hund bei uns einzieht! Im besten Fall auch noch bei einem Welpen... Nehmen wir den Welpen als Beispiel - Als erstes müssten wir erkennen, welche Situationen für den kleinen Hund stressig sind. Ich spreche hier gar nicht von schlimmen Angstauslösern, sondern auch hier wieder nur vom Alltag. Das kann eine Mülltonne sein, ein anderes Tier, das klappern eines Schlüssel, unsere Lieblingsmelodie, ein Karton der auf dem Boden steht, Kindergeschrei aus dem Nachbars garten etc..

Ein Welpe der mit 8-12 Wochen von seiner Mama und den Geschwister getrennt wurde und in eine völlig neue Welt zieht, ist in sehr vielen Situationen ängstlich. Um das zu erkennen müssten wir allerdings in der Lage sein die Körpersprache des Hundes nicht nur zu lesen, sondern vor allem auch Ernst zu nehmen!

Wie oft sehe ich Hundehalter, die einen kleinen Welpi an der Leine durch die Gegend ziehen, weil es ja total nervt, dass der kleine Kerl andauernd stehen bleibt und nicht weiter will. Sollte man sich da nicht die Frage stellen, warum er stehen bleibt? Wo schau der Hund denn hin? Gibt es da etwas was spannend ist, oder sogar etwas dass er zuvor noch nie gesehen hat?

Dem Hund also zu vermitteln, dass wir Ihm Sicherheit geben können haben wir oft schon im Welpenalter versaut. Sehr oft höre ich auch noch den Satz "Du darfst deinen Welpen nicht auf dem Arm nehmen, das ist total schlecht für die Sozialisierung!" Ernsthaft??? Klingt das logisch für den Aufbau einer stabilen Bindung? Hat der Welpe Angst, dann muss man ihn beschützen. „Keine Angst zu haben“ lernt der Welpe am besten, wenn er nicht bedrängt wird, oder wenn er den Abstand zum gruseligen Gegenstand selber wählen kann. In dem ich den Hund auf den Arm nehme mache ich nur eines: Ich gebe ihm die Sicherheit, dass ich die Angst erkannt habe und ich Schutz bieten kann.


Das ist nur ein klitzekleines Beispiel dafür, wie ich meinem Hund Hilfe geben kann und für eine grenzenlose Bindung sogar geben muss.


kann ich bei einem erwachsenen Hund eine neue Bindung aufbauen?

Selbstverständlich gilt das auch bei einem erwachsenen Hund, auch wenn er schon lange bei euch lebt. Habe ich aber die Signale des Hundes über Jahre ignoriert, weil ich sie gar nicht ernst genommen oder schlichtweg nicht gesehen habe, dann wird es nur sehr viel aufwändiger. Hier ist es nötig einmal "von vorne" anzufangen und zu lernen, welche Signale des Hundes erkannt werden sollten und wie ich den Hund maximal unterstützen kann. Es haben sich unter Umständen aus Ängstlichkeiten bereits Ängste gebildet und verfestigt, trotzdem ist es grundsätzlich kein Problem mit jedem Hund nochmal neu anzufangen und ihm zu zeigen, dass wir jetzt verstanden haben und er sich in Zukunft auf uns verlassen kann.


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Hundeschule Grenzenlose Bindung  
Inhaberin: Karin Jüngling

Spezialistin für Training mit reaktiven, ängstlichen & aggressiven Hunden